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Woran sich ältere Musikanten manchmal erinnern

Rudi Mair, Ehrenobmann des Bezirkes (Blasmusik in Tirol - Nov. 2003)

 Eines möchte ich gleich vorwegnehemen - ich will mit diesen Ausführungen keinesfalls eine Wertigkeit erreichen, gute oder weniger gute alte Zeiten anprangern, sondern einfach einiges erzählen, das mir zu Beginn meiner nunmehr 50-jährigen Musikerlaufbahn untergekommen ist. Manches zum Schmunzeln, doch einiges wird sicher - vor allem bei den jüngeren Musikanten - vielleicht sogar Verständnislosigkeit auslösen.

Für den Eintritt in die Musikkapelle musste man schon einige Voraussetzungen erfüllen. Ausgesucht bzw. erwählt wurde man u. a. dahingehend, wenn in der betreffenden Familie bereits einmal Musikanten aktiv waren. Das Instrument sollte möglichst ein altes Vehikel sein, denn "verblasen" wird es ohnehin durch die Ausbildung. So war es üblich, vor Beginn der ersten Musikstunde einen Installateur aufzusuchen, der Löcher und Risse kunstfertig zulötete. War dieser Installateur noch zudem ein Musikant, hatte man Glück, es kostete nichts. Der Instruktor war dann ein bereits aktiver Musikant, der die Proben und Ausbildung nach Gutdünken festsetzte. Hatte man eine "Kliment-Schule" als Ausbildungsprogramm, zählte man schon zu den modernen Musikerlehrlingen.

Kam nun dem Musiklehrer - sprich erfahrenen Musikanten - vor, die Ausbildung reiche eigentlich aus, so wurde man am Beginn eines neuen Musikjahres zur ersten Probe eingeladen. Das schaute dann so aus, dass z.B. bei einer Posaunenausbildung im Bassschlüssel gerade noch 4 b als Vorzeichen durchgenommen wurden, das erste Stück zum Einspielen bei der Probe der "Tiroler Adler Marsch" mit 3 b war. "Macht nichts, er wird's schon noch lernen", war der Kommentar der Stimmkollegen. Hinzu kam noch der berühmte "Nochstroach" - für einen Anfänger der reinste Horror. Hatte man aber diese Hürde mit Zuspruch der älteren Musikanten genommen, stand einentlich einer erfolgreichen Musikerlaufbahn nichts mehr im Wege.

So fieberte man der ersten Ausrückung entgegen. Es war die Dreifaltigkeitsprozession. Vorher war die Einkleidung vorgesehen. Diese schaute dann so aus, dass nach der "Größenklasse" ungefähr Maß genommen wurde. Alte Essensreste, Bier- und Weinflecken mussten dann so recht und schlecht entfernt werden. Klar, dass man auch das Instrument auf Hochglanz putzte (mit Sidol). Wenn dann weiße Ränder übrig blieben, war einem der Spott und die Kritik der erfahrenen Hasen gewiss. Das Marschieren war eher ein Hindernislauf, jedenfalls bis man alles konnte, war die Prozession vorbei. Dann kam das Konzert. Stühle und Notenpulte aufstellen und Bier zureichen waren die ersten Tätigkeiten. Das Konzert war schon zur Hälfte um, dann durfte auch der Jungmusiker Platz nehmen. Versteht sich von selbst, dass man höllisch aufpasste, damit nicht ein falscher Ton den Erfolg der Musikkapelle schmälerte.

So langsam im Jahresgeschehen näherte man sich dem Höhepunkt, dem im Musikbezirk Wipptal/Stubai alljährlich stattfindenden Bezirksmusikfest. Zahlreiche Proben gingen diesem Ereignis voraus, bis dann der große Tag da war. War das Musikfest in einer anderen Gemeinde des Bezirkes, diente als Verkehrsmittel ein LKW mit entsprechender Ladefläche und provisorischen Bänken als Sitzfläche. Hatte man Glück, so waren die Musikanten die ersten Fahrgäste, ansonsten wurden bereits am Vormittag Schafe oder Ziegen mit diesem LKW geführt, die Sauberkeit nach einem solchen Transport kann man sich dann ja vorstellen. Später wurden solche Transporte verboten und man musste mit großen Planen dies verheimlichen. Der Auf- und Abstieg auf eine solche Ladefläche war stets mit Ausreißen der Hosenknöpfe verbunden, sodass die Adjustierung wieder zu wünschen übrig ließ. Der Bericht der Bewerter zum Bezirksmusikfest hatte dann einiges auszusetzen. Der Kapellmeister begründete aber das mäßige Abschneiden mit den zu vielen "Jungen" in der Kapelle (heute ist es gerade umgekehrt).

War das Musikjahr so recht und schlecht herumgebracht, durfte man sich auf den Ausflug freuen. Zuvor musste aber der Obmann nach entsprechenden Geldquellen fündig werden. Es ging sparsam zu, die Reiseziele waren in der näheren Umgebung, aber dafür passte die Kameradschaft.

Das "Musikantenmahlele" zu Ehren der hl. Cäcilia beschloss dann das Musikjahr. Zu diesem wurden selbstverständlich auch die Musikerfrauen eingeladen, da sie viel am Jahresgeschehen eines Musikanten Anteil hatten. Trotzdem konnte sich ein Musikant nicht der Kritik an diesem Einladungsmodus verkneifen, er war der Meinung: "dös Fakl essen mir besser alloan".

Wie eingangs erwähnt, soll mit diesen Ausführungen keineswegs eine Wertigkeit erzielt werden, sondern einfach ein Jahresablauf eines Musikantenjahres aus meiner Jugendzeit geschildert werden.

So war es früher ......

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Aktualisiert (Samstag, 13. April 2013 um 19:42)